Wenn aus Übernachtungsgästen Mitbewohner werden

Ob als Verschnaufspause für die Angehörigen oder zur Überbrückung im Notfall - Kurzzeitpflege ist ein enorm wichtiges Konzept. Und ein sehr gefragtes. So gefragt, dass KSP-Pflegedienstleitung Birgit Arensmeyer nicht allen Anfragen nachkommen kann. Leider. Denn wer mal da war, will oft gar nicht mehr gehen.

Es ist das klassische Beispiel. Ein älterer Mann pflegt zu Hause seine Ehefrau. Mit viel Mühe. Aber auch mit viel Liebe. Das funktioniert. Bis der Mann stürzt, ins Krankenhaus muss, selbst Hilfe braucht - und seine Frau ohne Pflege dasteht. Ein akuter Versorgungsbedarf entsteht, bei dem schnelle Abhilfe gefragt ist.

In so einem Fall klingelt häufig das Telefon im KSP-Domizil. Früher oder später ist Birgit Arensmeyer am Apparat. Die Pflegedienstleitung prüft dann: Ist noch ein Bett im Haus frei? Gibt es Kapazität für eine Kurzzeitpflege? Wenn die Angehörigen Glück haben und ein Platz frei ist wird es schnell konkret.

Der Großteil der Kommunikation läuft über die Pflegedienstleiung ab. Ist diese Beratung abgeschlossen, leitet Arensmeyer den Aufnahmebogen weiter, zwei Stockwerke tiefer - in die Verwaltung des Hauses. Erledigt ist die Sache damit aber auch für sie noch nicht. Im Gegenteil. Kommt ein neuer Gast, steht einiges an Logistik an: Physiotherapie, Arztvisite, Zimmeraufbereitung - die Liste der zu prüfenden Dinge ist lang. Die Termine sind zahlreich, der Aufwand enorm und immer gleich groß. Unabhängig davon, ob jemand für 14 Tage kommt oder für bis zu vier Wochen.

Besonders schwierig wird es, wenn die Pflegebedürftigen direkt aus dem Krankenhaus ins Domizil kommen. Teils am Freitagnachmittag direkt von der Intensivstation. "Das ist manchmal ein Ding der Unmöglichkeit", weiß Arensmeyer. Bedarfssachen wie Pflege- und Arzneimittel sowie gegebenenfalls zusätzliches Personal - all das muss organisiert werden. Schließlich ist das KSP-Domizil kein Ersatz-Krankenhaus, Medikamente gibt es nicht auf Vorrat.

Anders und weniger kompliziert liegt der Fall, wenn ein Kurzzeit-Bewohner geplant kommt und KSP quasi als "Urlaubsvertretung" für die Betreeungsperson dient. Dann sind die Abläufe klar, die Medikamente werden von zu Hause mitgebracht und bleiben die gleichen, die Absprache mit dem Hausarzt ist meist gegeben. Es geht also entspannter zu als beim akuten Fall aus dem Krankenhaus. Hinzu kommt: Die meisten geplanten Kurzzeit-Aufenthalte sind "Wiederholungstäter".

"Der Andrang ist sehr groß", weiß Arensmeyer und ergänzt: "die meisten freuen sich richtig auf die ihre Zeit bei uns. Nicht nur ihre Angehörigen machen Urlaub, sondern auch sie selbst." So kommt es schon mal vor, dass es manchem "Urlauber" so gut gefällt, dass er das Domizil gar nicht mehr verlassen will. Eine solch positive Rückmeldung tut der Pflegedienstleitung natürlich gut. Diese wiederum freut sich stets, wenn sie für (geplante) Entlastung der Angehörigen sorgen kann.

Damit im Domizil durch zahlreiche Ein- und Auszüge nicht zu viel Unruhe herrscht, ist die Zahl der Kurzzeitpflege-Plätze aktuell auf sechs beschränkt. Deshalb kann KSP keine freien Plätze garantieren. "Das tut mir furchtbar leid. Ich würde am liebsten alle nehmen. Aber wir sind häufig über Monate ausgebucht.", erklärt Arensmeyer. Aber Nachfragen lohnt sich - denn das KSP-Team versucht natürlich immer, Angehörigen in Not zu helfen.