Pflegereform: Erleichterung für KSP-Alltagshilfe - aber nur ein Anfang

Mit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes stehen nun allen Pflegebedürftigen mit einer Pflegestufe sowie deren Angehörigen zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen zu - hierunter fallen Leistungen, die bei KSP Alltagshilfe genannt werden. Eine gute Sache, findet Mechteld Wachsmuth. Doch die Leitung der KSP-Alltagshilfe mahnt: Weitere Schritte müssen folgen.

Am 1. Juli 1996 startete KSP als ambulanter Dienst mit dem Ziel, sich im Menschen zu kümmern, die zu Hause leben wollen, sich aber nicht mehr komplett vollständig versorgen können. Heute, fast 20 Jahre später, betreut KSP-Mobil circa 180 Patienten und absolviert rund 8.000 Hausbesuche pro Monat. Zu KSP-Mobil gehören nicht nur Pflegefachkräfte, die die Patienten pflegerisch umsorgen, sondern auch die Mitarbeiter der Alltagshilfe, die alltäglich anfallende Arbeiten erledigen. Was das genau bedeutet, kann Mechteld Wachsmuth, Leitung der KSP-Alltagshilfe, erklären. "Die Alltagshilfe ist eine Art Vorstufe zur Pflege", sagt sie, "dazu gehören Dinge wie leichte Körperpflege, hauswirtschaftliche Versorgung, Einkaufen, Kochen, Aktivierung, Begleitung zum Arzt oder Pflegeberatung." Gerade Pflegebedürftigen der Stufen eins und zwei bietet die Alltagshilfe so sehr wertvolle Unterstützung.

Häufig gibt es jedoch ein Problem: Hilfe wird erst gesucht, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Viele Angehörige versuchen so lange wie möglich alles alleine zu machen - bis sie komplett überfordert sind. Die Gründe? Manche unterschätzen den Aufwand der Pflege. Andere sind schlecht beraten oder mangelhaft über staatliche Zuwendungen informiert. Wieder andere wollen oder müssen sparen - bis es überhaupt nicht mehr geht und ein mobiler Dienst auf einmal die komplette Pflege übernehmen soll. Das Problem: Es fehlt die Gewohnheit. "Der Pflegebedürftige kennt den Pflegedienst nicht, die Pflegekräfte die Pflegekräfte kennen Patienten, Haushalt und Umstände nicht. Trotzdem muss dann alles auf die Schnelle funktionieren", sagt Wachsmuth. Viel besser wäre es, frühzeitig die Leistungen der Alltagshilfe in Anspruch zu nehmen - bevor umfassende Pflege notwendig wird. So kann sich der Pflegebedürftige peu á peu an die Betreuung gewöhnen. Wachsmuth ist überzeugt: "Die Alltagshilfe ist eine große Unterstützung, um die Lebensqualität im hohen Alter zu bewahren - wenn rechtzeitig von ihr Gebrauch gemacht wird."

Wie wertvoll derartige Leistungen sein können, hat auch die Politik erkannt. In der zum Jahresbeginn eingesetzten ersten Stufe des Pflegestärkungsgesetzes wurden unter anderem auch die zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen ausgebaut. Künftig erhalten nicht nur Demenzpatienten, sondern alle Pflegebedürftigen 104 Euro zusätzlich im Monat, die beim Pflegedienst für die Alltagshilfe geltend gemacht werden können. "Eine gute Sache und ein Anreiz, die Alltagshilfe für sich in Anspruch zu nehmen", meint Wachsmuth, "wir können so mehr für den Patienten tun." Sie schränkt aber auch ein: "Es ist nur ein Anfang."

Dreimal einkaufen oder spazieren gehen - viel mehr ist nicht drin. Zudem erhalten Demenzpatienten keine zusätzlichen Leistungen. "Das ist definitiv eine Lücke. Viele Demenzkranke können wenig bis nichts alleine tun, ihre Angehörigen sind deshalb sehr beansprucht", sagt Wachsmuth. Ihr dritter Kritikpunkt: Viele sind auch ein Dreivierteljahr nach der Einführung über die Betreuungsleistungen und andere Möglichkeiten nicht informiert. Einer der Sätze, den sie von Angehörigen am häufigsten hört: "Ach, das habe ich aber noch gar nicht gewusst." Wachsmuths Mission ist deshalb: weiter aufklären, überzeugen und alle gegebenen Möglichkeiten ausschöpfen. Immerhin: Weitere Neuerungen zugunsten der Patienten sollen mit der zweiten Stufe des Pflegestärkungsgesetzes 2016 in Kraft treten.