Die etwas andere Schülerin

Catherine Rowland hat im Oktober ihre Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen und will sich damit ihren Berufswunsch erfüllen.
Das Besondere: Sie ist 47 Jahre alt – nicht das typische Alter für eine Azubi.

Nach dem Frühstück direkt in die Schule: Dieser Ablauf gilt im Hause Rowland für zwei Personen. Klingt logisch, denn Catherine Rowland hat zwei Kinder. Doch halt. Sohn Daniel (29) ist längst ausgezogen und Arbeitnehmer. Die Schulgänger sind Tochter Rebecca (19) – und Catherine Rowland selbst. Beide haben im Oktober eine Ausbildung angefangen. Rebecca als Erzieherin, Mutter Catherine als Altenpflegerin. „Das wollte ich schon immer machen“, sagt Rowland.

Möglich war es ihr aber lange nicht. Mit 18 Jahren wurde sie erstmals Mutter, widmete sich fortan voll der Erziehung ihrer Kinder. „Die sind jetzt groß, ich habe Zeit und Ruhe für mich“, sagt die 47-Jährige. Also konnte es losgehen. Eine Einstellung, die KSP-Inhaber Martin Kleinschmidt imponiert: „Ich habe sehr großen Respekt vor dem, was sie macht und wünsche ihr viel Erfolg.“

Leicht gefallen ist Rowland der Schritt allerdings nicht. Als sie im Sommer von KSP das Angebot zur Ausbildung bekommen hatte, spürte eine gewisse Unsicherheit. „Aber gerade meine damalige Chefin hat mir Mut gemacht.“ Die Chefin war Mechteld Wachsmuth von der KSP Alltagshilfe. Hier arbeitete Rowland seit 2010. Eine Anzeige in den „Schorndorfer Nachrichten“ hatte sie auf die Stelle aufmerksam gemacht. „Die war zwar nur für gelerntes Personal ausgeschrieben, aber ich habe mich trotzdem gemeldet.“ Kein Fehler. Rowland wurde zunächst auf 400-Euro-Basis eingestellt, ab 2011 dann als Halbtagskraft.

An praktischer Erfahrung fehlt es ihr also nicht. Zumal die Plüderhausenerin den ganzen September als Praktikantin in die Abläufe im Domizil hineinschnupperte. „Hier habe ich mich auch gleich super
wohlgefühlt. Ich bin richtig liebevoll im Team aufgenommen worden“, erzählt Rowland. Und die Patienten? „Da hat sich auch noch keiner beschwert“, sagt sie und lacht.

Warum auch, schließlich geht Rowland mit viel Herzblut an ihre Arbeit. Für die Bewohner und Patienten da sein, wenn sie Hilfe brauchen, aber auch zuhören und erzählen, wenn sie schwätzen wollen: Das ist es, was die Altenpflege für Rowland ausmacht.

Dafür geht sie gerne auch wieder zur Schule. „Ich musste wieder lernen, zu lernen. Mich acht Stunden konzentriert hinzusetzen“, gibt Rowland zu. Dass ihr das nach 30 Jahren ohne Unterricht anfangs nicht ganz leicht fiel, ist auch kein Wunder. „Aber es macht unheimlich viel Spaß, wir haben eine tolle Klassengemeinschaft.“ Und Rowland hat auch ihre Tochter. Die beiden tauschen sich aus, Rebecca gibt Catherine auch den einen oder anderen Lerntipp. So haben sie einen gemeinsamen Schulalltag. Sie hätten sogar zur selben Schule gehen können, haben sich aber dagegen entschieden. Das wäre dann doch zu viel des Guten gewesen.