Eine schöne Tradition: Die Andacht im Domizil

Einmal im Monat findet im Domizil eine Andacht statt. Weil der Glaube bei KSP eine wichtige Rolle spielt – und bei vielen Bewohnern auch.

Heute ist für Ursula Heidenreich ein besonderer Nachmittag. Es ist Mittwoch. Und einmal im Monat findet bei KSP mittwochnachmittags eine Andacht statt – so wie heute. „Für mich ist das ein wichtiger Termin“, sagt sie, „ich bin von klein auf evangelisch erzogen worden. Deshalb freue ich mich immer ganz besonders darauf.“ Gefehlt hat sie noch nie, seit sie Domizil-Bewohnerin ist. Denn der Glaube besitzt in ihrem Leben einen hohen Stellenwert.

Aber nicht nur in ihrem. „Bei KSP Bewohnern spielt der Glaube insgesamt eine zentrale und wichtige Rolle“, sagt Pastor Frank Schünemann vom Christlichen Zentrum Scala in Schorndorf, der die Andacht bei KSP seit drei Jahren leitet. „Den Verantwortlichen ist es wichtig, dass die Bewohner auch in diesem Bereich gut betreut werden.“

Und Schünemann geht speziell auf die Bedürfnisse der Domizil-Bewohnerein. Vergleichen kann man die Andacht mit dem Gottesdienst der Evangelischen Freikirche in Schorndorf jedenfalls nicht. „Dort gestalten wir den Gottesdienst eher modern“, sagt Schünemann, „wir haben zum Beispiel eine Band und versuchen zeitgemäße Lieder zu spielen.“ Im Domizil ist das etwas anders. „Hier sind die meisten Bewohner eher traditionell kirchlich geprägt“, erklärt Schünemann, „deshalb wählen wir bei den Andachten meistens ältere Lieder aus – sodass dann auch alle mitsingen können.“ Ein Angebot, das mit viel Freude und lautstark angenommen wird.

Vorbereitet wird die Andacht immer von einem kleinen Team, bestehend aus Carmen und Werner Rieker, Alexander König und Schünemann. „Wir sprechen uns eine Woche vorher immer ab“, erzählt Schünemann. Der Ablauf selbst ändert sich nur selten. Es gibt drei Lieder, eine Textlesung aus einem Psalm, eine Gebetszeit und eine Predigt, die sich thematisch am Kirchenjahr orientiert: „Wir wollen versuchen, aktuell zu sein. Das heißt, dass an Ostern unser Thema Ostern ist. Wenn das Erntedankfest stattfindet, wollen wir darauf eingehen.“ Und was wollen sie den Bewohnern vermitteln? „Dankbarkeit ist ein wichtiges Thema für uns. Dankbar für das, was geschehen ist und wo Gott uns entlanggeführt hat. Aber auch das Thema Sterben wird bei uns nicht ausgeklammert“, sagt Schünemann, „das gehört einfach zum Leben dazu.“

Die große Resonanz zeigt, dass das Team den richtigen Weg gefunden hat. Und zwar so gut, dass auch immer viele Angehörige an der gemeinsamen Andacht teilnehmen. Auch heute füllt sich der Raum um 15 Uhr wieder schnell. Vorne steht ein Klavier, die Besucher sitzen an mehreren Tischen. Es gibt Kaffee und Kuchen, es herrscht eine sehr angenehme Atmosphäre. Auch Ursula Heidenreich sitzt an einem der Tische, die Vorfreude ist ihr deutlich anzumerken. Sie sagt: „Ich fände es sogar schön, wenn die Andacht im Domizil zweimal im Monat stattfinden würde.“

Ein Problem ist dieser Rhythmus für sie allerdings nicht. Denn jeden Samstagmorgen findet unten im Krankenhaus noch ein Gottesdienst statt, den sie regelmäßig besucht. „Ich brauche die Andachten  und Gottesdienste für mich“, sagt Urslua Heidenreich, „der Glaube hat bei mir schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Aber je älter ich werde, desto stärker wird er.“

Schließlich kommt Pastor Frank Schünemann in den Raum. Deutlich vor dem Beginn der Andacht: „Wenn es zeitlich passt, versuche ich immer, früher zu kommen. Mir ist es wichtig, die Bewohner alle persönlich zu begrüßen.“ Frank Schünemann gibt jedem die Hand und hat für jeden ein offenes Ohr. Später, während der Andacht, wird er sich selbst als musikalischer Begleiter ans Klavier setzen. Die Besucher singen lautstark mit. Und wenn der Pastor spricht, hören sie aufmerksam zu. Die Andacht bietet wieder für jeden etwas. So wie immer.