"Alle freuen sich auf das zweite Mal"

Seit mehr als sieben Jahren ist Bettina Sanft für Verträge und Abrechnungen im KSP Domizil verantwortlich. Dabei geht es ihr aber um weit mehr als nur um Zahlen.
Sanft ist auch eine wichtige Beraterin für pflegende Angehörige - und eine absolute Expertin im Thema Kurzzeitpflege.

Bettina Sanft, erklären Sie bitte mal einem Laien, was es mit der Kurzzeitpflege auf sich hat.
Aber gerne. Die Kurzzeitpflege dient als Entlastung für pflegende Angehörige. Zum einen im akuten Fall, wenn zum Beispiel im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt eine stationäre Vollpflege vonnöten ist. Sie gibt den Angehörigen aber auch jedes Jahr die Möglichkeit, geplant ein bisschen durchzuschnaufen und in den Urlaub zu fahren.

Das klingt nach einer guten, sinnvollen Sache.
Ja, absolut. Wie so oft folgt jedoch ein Aber.

Und das wäre?
Leider wird die Kurzzeitpflege von vielen Pflegenden nicht in Anspruch genommen.

Woran liegt das? Sind die Menschen nicht darüber informiert?
Nein, das Gefühl habe ich nicht. Die meisten wissen über die Möglichkeiten gut Bescheid.

Sind vielleicht die Kosten für die kurzzeitige Unterbringung zu hoch?
Die Finanzen sind nicht das größte Problem. Klar, die bis zu 1260 Euro, die bei einer vollen Beanspruchung der Kurzzeitpflege anfallen, sind schon eine Belastung. Aber in meinen sieben Jahren bei KSP ist die ganze Sache nur einmal wirklich am Geld gescheitert.

Woran scheitert es dann?
Am schlechten Gewissen. Viele Angehörige können einfach nicht loslassen, glauben selbst bei dieser zeitlich begrenzten Unterbringung, dass sie ihre Mutter oder den Opa "abschieben". Gerade beim ersten Mal kostet es sie richtig Überwindung. Da ist in der Beratung dann auch Überredungskunst gefragt.

Sie sprechen die Beratung an. Wie läuft so ein Gespräch mit den Angehörigen ab?
Bevor sie zu mir kommen, haben sie schon mit der Pflegedienstleitung das meiste geklärt. Grob gesagt gilt: Sie ist für das Pflegerische zuständig, ich für das Finanzielle. Aber wir beide leisten Fürsorge und Beratung. Oft muss man den Angehörigen auch Ängste nehmen.

Mit welchen Geheimtipps warten Sie als Expertin für das Finanzielle auf?
Geheimtipp würde ich es nicht nennen, aber viele kennen nicht den Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen für Pflegebedürftige, wenn diese zum Beispiel durch Demenz in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt sind. Dem Angehörigen werden dann bis zu 200 Euro monatlich für profesionelle Pflege bezahlt. Wer diesen Dienst nicht regelmäßig in Anspruch nimmt, kann das angesammelte Geld bei der Kurzzeitpflege anrechnen lassen.

Hat sich schon mal jemand im Anschluss beschwert, Ihrer Überzeugungskraft erlegen zu sein?
Glauben Sie mir: Es hat noch keiner bereut. Weder die Pflegebedürftigen noch die Angehörigen. Die meisten werden bei der Kurzzeitpflege sogar zu "Wiederholungstätern". Die Pflegenden, aber auch die Pflegebedürftigen freuen sich auf das zweite Mal. Das ist dann für alle wie Urlaub.